Industriekraft nördlich des Rheins
Schaffhausen ist mit knapp 39'000 Einwohnern die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons — des nördlichsten der Schweiz, fast vollständig von deutschem Staatsgebiet umgeben. Diese Grenzlage ist kein Nachteil, sondern ein ausgeprägter Standortvorteil: Schaffhausen pflegt enge wirtschaftliche Verflechtungen mit dem süddeutschen Raum und bietet Firmen Zugang zu Fachkräften aus beiden Ländern. Die Nähe zu Winterthur — nur 25 Zugminuten entfernt — stärkt die Anbindung an den Grossraum Zürich. Tausende Grenzgänger aus Baden-Württemberg pendeln täglich nach Schaffhausen und sichern den ansässigen Unternehmen einen erweiterten Talentpool.
Die Stadt am Rheinfall — Europas grösstem Wasserfall, der jährlich über eine Million Besucher anzieht — hat eine ausgeprägte Industrietradition. Anders als viele Schweizer Städte hat Schaffhausen den industriellen Kern bewahrt und modernisiert, statt ihn durch einen reinen Dienstleistungssektor zu ersetzen. Die Unternehmensdichte ist hoch, die Arbeitslosenquote tief, und die kantonale Steuerpolitik zieht gezielt nationale und internationale Firmen an.
IWC, Georg Fischer, SIG — globale Konzerne im Kleinstadtformat
IWC Schaffhausen — die Luxusuhrenmanufaktur der Richemont-Gruppe, bekannt für ihre Flieger- und Portugieser-Kollektionen — ist das Aushängeschild der Stadt und zieht Touristen wie Fachkräfte gleichermassen an. Georg Fischer (GF) ist ein börsenkotierter Industriekonzern mit Hauptsitz in Schaffhausen, der über seine drei Divisionen GF Piping Systems, GF Casting Solutions und GF Machining Solutions weltweit tätig ist und rund 15'000 Mitarbeitende beschäftigt. Die SIG Group im nahen Neuhausen am Rheinfall, Weltmarktführer für aseptische Kartonverpackungen mit Milliardenumsatz, beliefert die Lebensmittel- und Getränkeindustrie auf allen Kontinenten.
Cilag, eine Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson, betreibt in Schaffhausen einen bedeutenden Pharma-Produktionsstandort, an dem unter anderem Medikamente für den europäischen Markt hergestellt werden. Tyco und weitere internationale Firmen nutzen den Standort als europäische Drehscheibe. Die Meier Tobler Group, spezialisiert auf Gebäudetechnik und Heizsysteme, ergänzt das industrielle Spektrum. Zusammen bilden diese Konzerne ein industrielles Cluster, das für eine Stadt dieser Grösse in der Schweiz einzigartig ist.
Kurze Wege, enge Netzwerke — Akquise im Grenzgebiet
Rund um GF, SIG und IWC gibt es hunderte kleinere Betriebe — Metallverarbeiter, Logistiker, technische Berater und Softwareanbieter —, die als Zulieferer oder Dienstleister agieren. Dieses Netzwerk bietet erhebliches Potenzial, insbesondere für Anbieter von Industriekomponenten, Qualitätssicherung und Automatisierungslösungen. Die Exportorientierung der Schaffhauser Industrie bedeutet zudem, dass viele Firmen an internationalen Standards und Zertifizierungen interessiert sind.
Der kompakte Kanton mit nur rund 85'000 Einwohnern bedeutet kurze Wege und persönliche Netzwerke. Wer einmal einen guten Ruf aufgebaut hat, profitiert von Mundpropaganda. Die Wirtschaftsförderung Schaffhausen organisiert regelmässig Unternehmeranlässe und Branchentreffen, die den Einstieg in den lokalen Markt erleichtern. Die Achse zum Bodensee mit Kreuzlingen und die Grenzlage zu Deutschland bringen zusätzlich eine internationale Perspektive — viele Schaffhauser Firmen denken und handeln grenzüberschreitend.
Schaffhausens Geschäftskultur ist industriell, international und gleichzeitig überschaubar. Die Konzentration globaler Konzerne in einer Kleinstadt schafft ein Umfeld, in dem man sich kennt und schnell auf Entscheidungsträger trifft. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Deutschland gehört zum Alltag.